Vietnam & Kambodscha Teil 2

Kambodscha

Siem Reap – in Kambodscha war das nächste Ziel, um das nahe gelegene Angkor mit seinen vielen Tempelruinen zu bestaunen. Am Flughafen empfing uns unsere kambodschanische Reiseleitung und brachte uns in unser Hotel. Zum Montra Niesha gehört eine dschungelartige Gartenlandschaft mit zwei Pools und ein Restaurant mit authentischer Khmer-Küche. Da wir gelesen hatten, dass der Standart in kambodschanischen Hotels nicht „so hoch“ sein sollte, waren wir echt überrascht wie klasse das Hotel, sein Service und sein Essen waren.

Angkor – Im 9. Jahrhundert begründen die Khmer in Südostasien das Reich Angkor, das bald zur Großmacht aufsteigt. Die Hauptstadt Angkor wächst stetig und zählt zu Beginn des 12. Jahrhunderts mehr als eine Million Einwohner. Seine Herrscher identifizierten sich mit hinduistischen Göttern und errichteten zu deren Ehren Hunderte Tempelanlagen – darunter Angkor Wat, den größten Sakralbau der Welt. Nach dem Niedergang des Imperiums überwucherte die Natur die Monumente.
Früh morgens nach einem genussvollem Frühstück ging es mit etwas Regen zu unserer ersten Tempelbesichtigung.

Die Tempelanlage Banteay Srei, nördlich des Hauptareals von Angkor gelegen, ist eine der beeindruckendsten und einzigartigsten Bauten der Welt. Der Tempel wurde in der zweite Hälfe des 10. Jahrhunderts zu Ehren Shivas von den Brahmanen Yajnavaraha und Vishnukumara errichtet. Ursprünglich unter dem Namen Tribhuvanamahesvara („Großer Gott der dreifaltigen Welt“) gebaut, bedeutet der heutige Name Banteay Srei in etwa so viele wie „Zitadelle der Frauen“ bzw. „Zitadelle der Schönheit“. Auch wenn der Tempel etwas kleiner wirkt als ähnliche Anlagen (die Gesamtausdehnung vom östlichen zum westlichen Torturm beträgt nur etwa 200 Meter), sind es vor allem die architektonische Konzeption und die gestalterische Liebe fürs Detail, die Banteay Srei zu etwas ganz Besonderem machen.

Der nächste Tempel, Banteay Samre (die „Festung der Samré“), ist zwar auch nicht ganz so groß wie die umliegenden Tempel, dafür aber sehr gut erhalten. Der Bau umfasst einen inneren und äußeren Ring, wobei sich in Letzterem vier Torbögen befinden, über die Besucher eintreten können. Gerade die Reliefs an den Torbögen lassen sehr viel über den Alltag und den Glauben der Tempelbewohner erfahren. Diese sind nach wie vor sehr gut erhalten. Interessanterweise zeigen sie nicht nur hinduistische Szenen, sondern auch buddhistische Themen, was ungewöhnlich ist für eine Tempelanlage, die vor dem Wechsel der Staatsreligion im Reich der Khmer – vom Hinduismus hin zum Buddhismus – erbaut wurde. Wahrscheinlich ist aber, dass die buddhistischen Darstellungen erst nachträglich eingefügt wurden, um die Anlage auch weiterhin als Gebetsort nutzen zu können.

Ta Keo ist als Tempelberg in Pyramidenform konzipiert worden, wobei es zwei Terrassen darauf gibt. Auf allen vier Seiten führen Treppen zur Spitze der Pyramide, die auch von den Besuchern erklommen werden kann. Doch der Bau wurde nie komplett fertig gestellt. Bis heute kann man nur mutmaßen warum. Eine gängige Interpretation ist es, dass es gegen Ende der Bauzeit einen Blitzeinschlag in den Tempel gegeben hätte, was als schlechtes Zeichen der Götter bewertet worden sein soll. Die gesamte Anlage ist auf einer Fläche von 255 Metern mal 195 Metern errichtet worden. Die beiden Terrassen befinden sich auf der östlichen Seite der Pyramide, wobei sich auf der oberen dort, wo sich die „zentrale“ Pyramide auftürmt, noch fünf prägnante Türme befinden, die die fünf Gipfel des Berg Meru symbolisieren sollen.

Mittagspause, nach drei Tempeln konnte man die auch gebrauchen bevor es zum nächsten, dem Ta Prohm Tempel ging. Hierbei handelt es sich um eine ehemalige Anlage, die in ihrem gesamten Gebäudekomplex sowohl einen Tempel, als auch ein Kloster, einige Nebengebäude und eine Maueranlage umfasst. Etwa zwei Kilometer von Angkor Wat entfernt gelegen ist Ta Prohm eine der berühmtesten Tempelanlagen Kambodschas, unter Anderem auch deshalb, weil dort 2001 die bekannten „Tomb Raider“ Verfilmungen gedreht wurden. Im Gegensatz zu vielen anderen Tempelanlagen der Region hat Ta Prohm keine aufwändigen Restaurationsarbeiten erfahren. Riesige zahlreichen Baumwurzeln umwuchern über die letzten Jahrhunderte hinweg den Tempel, somit ist es eigentlich ein architektonisches Wunder, dass der Tempel nach wie vor noch einigermaßen erkenn- und begehbar ist, obwohl die Natur sich dort so ausgiebig und ungehindert ausgebreitet hat.
Es herrschte hier mit dem Regen eine unglaublich intensive Stimmung in der man eine längere Zeit verweilen wollte. Sehr eindrucksvoll.

Inmitten des künstlichen Staubeckens Nördlicher Baray befindet sich die künstliche Insel Neak Pean. Auf der Insel befindet sich die gleichnamige Tempelanlage. Um dorthin zu gelangen, müssen Besucher auf einem doch recht langen Steg die ruhige, dafür aber sehr atmosphärische Wasserlandschaft überqueren.
Das Heiligtum des Tempels befindet sich in der Mitte des Hauptbeckens, ein kleiner Turm auf einer runden Anhöhe. Dieser Turm wurde aus Laterit und Sandstein gefertigt und ist einerseits mit abstrakten Darstellungen verziert, andererseits aber auch von Schlangenwesen umgeben. Der Name bedeutet so viel wie „ineinander gewundene Schlangen“. Der buddhistische Tempel war als Heilstätte vorgesehen und in ein Hauptbecken und vier Nebenbecken aufgeteilt, wobei diese vier die Elemente Wasser, Erde, Feuer und Wind repräsentieren sollten. Der Tempel kann heute nur mehr von außen betrachtet werden, das Betreten ist leider nicht möglich.

Der letzte Tempel des Tages war Pre Rup, der unter der Herrschaft von König Rajendravarman II im Jahr 961 errichtet wurde. Er gilt als bedeutendste Angkor-Tempel des 10. Jahrhunderts und zählt zu den beeindruckendsten Bauwerken der ganzen Region. Bei Pre Rup handelt es sich um einen hinduistischen Tempel, der der Gottheit Shiva geweiht wurde. Das Bauwerk an sich wurde aus Sandstein, Vulkanstein und Laterit erbaut, was zur Folge hatte, dass die Reliefs durch die Witterung zu einem großen Teil abgeschliffen wurden und heute nicht mehr bzw. kaum mehr nachvollziehbar sind. Die vier Seiten des Pyramidenbaus sind genau anhand der vier Himmelsrichtungen ausgerichtet. Der Baustil ist eine Anlehnung an den Berg Meru, den Weltenberg, der im Zentrum des Universums der hinduistischen, buddhistischen und jainistischen Mythologie steht und über fünf Gipfel verfügt: So finden sich auch hier fünf Tempeltürme (Prasat), die diese symbolisieren sollen.

Ein langer Tag mit vielen tollen Eindrücken und Informationen ging langsam zu Ende. Hier auf dem Pre Rup Tempel soll man einen wunderschönen Sonnenuntergang geniessen können, tja wenn es das Wetter zulassen würde. Zum Abendessen waren wir bei einer Familie der Chreav-Gemeinde eingeladen und konnten die traditionelle Khmer-Küche genießen.

Am zweiten Tag war unser Fortbewegungsmittel das Fahrrad. Das Wetter war wieder gut und wir erkundeten Angkor Thom, die letzte Hauptstadt des Angkor-Imperiums. Sie wird von einer Stadtmauer eingefasst, die ein Territorium von 9 km2 umschließt und einst von ca. 750.000 Einwohnern bevölkert wurde. Vom Südtor aus, vor dem 54 Dämonen (rechterhand) und 54 Götterstatuen (linkerhand) Position bezogen haben, radelten wir zu dem im Zentrum von Angkor Thom liegenden Bayon Tempel. Das auffallendste architektonische Merkmal des Tempels sind die 54 Türme mit meterhohen, aus Stein gemeißelten Gesichtern. Der Korridor der untersten Terrasse beherbergt einen ganz besonderen Schatz. Auf einer Fläche von 1200 qm bilden 11.000 in den Stein gehauene Flach-Reliefs eine Symbiose aus Geschichten und Legenden.

Am südlichen Ende der Anlage liegt der Baphuon Tempel, der monumentale Tempelberg wurde zu Ehren des Hindu-Gottes Shiva erbaut. Sein Turm überragt das umliegende Areal um etwa 30 Meter und bietet deshalb einen tollen Ausblick. Als Besonderheit lässt sich der etwa 170 Meter lange Steg bezeichnen, der den Weg zum inneren Pavillon und zum Tempelberg an sich ebnet. Zum Abschluss des Vormittags kamen wir noch zu zwei sehenswerten, detailreichen Terrassen – die Terrasse des Leprakönigs und die Elefantenterrasse.
Mittagessen im Restaurant des Hotels, kurze Verschnaufpause auf unserem Zimmer und es ging zum Höhepunkt – Angkor Wat.

Angkor Wat – Das größte und wohl bekannteste sakrale Bauwerk der Welt zählt zum UNESCO-Weltkulturerbe. Wenn man das Heiligtum betritt, die Anlage in ihrer unglaublichen Größe durchschreitet und die Schönheit der Skulpturen und Flachreliefs sieht, kommt man aus dem Staunen nicht heraus. Der Haupttempel der im 12. Jahrhundert durch König Suryavarman erbaute wurde, gilt heute als Nationalsymbol des Landes. Er soll das räumliche Universum symbolisieren und beeindruckt allein durch seine immense Größe. Zudem ist er der besterhaltene Bau der Anlage und genießt bis heute noch religiöse Bedeutung. Der Gebäudekomplex kombiniert zwei grundlegende Typen der Khmerarchitektur: einen Tempelberg und einen Galerietempel. Sie repräsentieren den Mount Meru, das Zuhause der hinduistischen Götter. Auf der Außenseite des Tempels erstrecken sich auf über 800 Meter kunstvolle Flachreliefs. 

Umgeben wird Angkor Wat von einem 190m breiten Wassergraben, auf dem zu seiner Zeit die Sandsteine zur Erbauung transportiert wurden. Innerhalb des Grabens befinden sich drei rechteckige Galerien, welche sich übereinander erheben. Im Zentrum des Baus befinden sich fünf Türme, die als Quincunx (wie die Punkte auf einem Würfel bei einer Fünf) angeordnet sind. Man geht davon aus, dass kurz nach dem Tod des Königs die Arbeiten am Tempel eingestellt wurden und deswegen viele Reliefs unvollendet blieben. Davon abgesehen hat der Zahn der Zeit am Tempel genagt und er weist heute zahlreiche Schäden auf. Verursacht durch die Witterung, tropische Vegetation und menschlicher Zerstörungskraft, wie z.B. Plünderungen. Aber auch ein religiöser Wandel der Khmer hin zum Buddhismus sorgte dafür, dass der Tempel über Jahrzehnte vernachlässigt wurde. Heutzutage finden Restaurierungsarbeiten statt, um einen weiteren Zerfall zu verhindern. Somit sieht man Angkot Wat selten ohne Baugerüste.

Zum Abendessen waren wir im „Spoons“, ein Restaurant in dem authentische und kreative kambodschanische Küche serviert wird. Ausserdem ist es eine Ausbildungseinrichtung. Die SPOONS-Kambodscha-Organisation ermöglicht benachteiligten kambodschanischen jungen Erwachsenen, sich durch Bildung, Ausbildung und Beschäftigungsmöglichkeiten im Gastgewerbe selbst zu versorgen. 100 % der Restaurantgewinne werden zur Unterstützung der Organisation und ihrer Studenten verwendet.

Im „Phare Cambodian Circus“ bekommen Künstler und Artisten die durch die Hilfsorganisation Phare Ponleu Selpak Association unterstützt werden, die Möglichkeit ihr Können aufzuführen. Als Gäste des Zirkus wurden wir mit faszinierender Akrobatikkunst, Tanzeinlagen, Jonglierkunst und Musik unterhalten und unterstützten mit unserem Besuch gleichzeitig die Organisation.

Am nächsten Morgen besuchten wir die Tempelanlage von Angkor Wat bei Sonnenaufgang. „Überraschenderweise“ waren wir nicht alleine und die vielen Touristen störten schon etwas die idyllische Atmosphäre frühmorgens.
Der Bakong Tempel war der letzte in der Reihe unserer Tempelbesuche. In der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts wurde der fünfstufige Tempelberg erbaut. Der hinduistische Tempel wurde im Jahr 881 unter dem Namen Harihar-Alaya dem Gott Shiva geweiht. Er war die erste Tempelpyramide in Gebiet von Angkor und gilt als Vorbild für zahlreiche spätere Bauwerke.

Der Tonle-Sap-See war ein weiteres Ausflugsziel am Vormittag. Ein weltweit einzigartiges Naturphänomen spielt sich hier jedes Jahr ab. Durch Schmelzwasser aus dem Himalaya und Monsunregenfälle ändert der Tonle-Sap-Fluss aufgrund des immensen Wasserdrucks seine Fließrichtung und füllt den See mit Wasser. Die Menschen hier haben ihre Lebensweise an die extrem schwankenden Wasserstände angepasst. Sie leben in Hausbooten, ihre Häuser schwimmen auf Bambusplattformen oder stehen auf Stelzen. Wir schauten uns das schwimmende Dorf Kampong Phluk an, wo knapp 4.000 Menschen, vorwiegend Khmer-Fischer, leben. In der Trockenzeit ragen die Stelzen der Häuser sechs bis sieben Meter aus dem Wasser, in der Regenzeit kann das Wasser die Türschwelle erreichen. In der Regenzeit fährt man daher per Boot durch die Kanäle und in der Trockenzeit schlendert man durch die Straßen des eindrucksvollen Ortes.

Unser Guide hatte noch eine kleine aber eindrucksvolle Überraschung für uns. Er brachte uns auf der Rückfahrt zum Hotel zu einem Kloster, wo ein Mönch sich für uns Zeit nahm um aus seinem Leben zu erzählen und Fragen zu beantworten. Anschliessend segnete er uns und jeder bekam ein Glücksarmband umgebunden.
Und schon war der letzte Abend da. Das Abschlussessen fand im Restaurant „Haven“ statt, welches ein Ausbildungsrestaurant für benachteiligte junge Erwachsene aus Organisationen und geschützten Unterkünften, sowie für unterprivilegierte junge Erwachsene aus sehr armen ländlichen Gebieten ist.

Kambodscha hat uns noch ein wenig besser gefallen als Vietnam. Wir haben von Moni, unserem Guide, viel über das Land und seine jüngste Geschichte gehört. Nach Jahrzehnten Krieg, Schreckensherrschaft und Besatzung eines der ärmsten Länder der Welt, konnte Kambodscha seitdem erhebliche Fortschritte im Kampf gegen Armut und Unterentwicklung erzielen und ist heute eine der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften Asiens. Mir wird vor allem die uns entgegengebrachte Freundlichkeit und Demut der Menschen in Erinnerung bleiben.

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