Vietnam
Hanoi – Am frühen Morgen, ca. 6:00 Uhr, landeten wir in der Hauptstadt Vietnams. Nachdem wir uns bei einem leckeren Frühstück im Hotel gestärkt hatten, stürzten wir uns auch schon ins morgendliche Getümmel der Hauptstadt und konnten während einer Erkundungstour erste Eindrücke sammeln.
Unser Hotel „La Siesta Classic“ liegt im Altstadtviertel von Hanoi nur einen Katzensprung vom „See des zurückgegebenen Schwertes“ mit der roten „The-Huc-Brücke“. Die Straßen vor der Tür sind an Wochenenden für den Verkehr gesperrt und verwandeln sich in eine charmante Fußgängerzone. So machte das Schlendern durch das lebendige Viertel noch mehr Spaß.
Mit einem Kleinbus ging es zum Ho-Chi-Minh-Mausoleum. Im Zentrum Hanois wurde zu Ehren des Nationalhelden und Präsidenten das Mausoleum errichtet, das eigentlich nicht seinem Willen entsprach. Sein bescheidenes Leben, das er selbst in seinen kommunistischen Lehren propagierte, ließ ihn in der Bevölkerung zu einer Art Vaterfigur werden, die bis heute diesen Personenkult aufrechterhält. Zahlreiche Vietnamesen kommen täglich zu dem Ho-Chi-Minh-Mausoleum, das den gut einbalsamierten Revolutionsführer in einem gläsernen Sarkophag zeigt.
Auf dem Gelände gibt es noch mehrere Sehenswürdigkeiten zu erkunden, die größtenteils Ho Chi Minh und der vietnamesischen Geschichte gewidmet sind. So z.B. die Einsäulenpagode in Form einer Lotosblüte, von der die Legende sagt, sie sei der Dank des kinderlosen Königs Ly Thai To für seine späte Vaterschaft.
Im Westen der Altstadt verbirgt sich hinter dem Namen „Literaturtempel“ eines der berühmtesten Bauwerke von ganz Vietnam. Schon seit fast 1.000 Jahren ist der Literaturtempel ein Ort des Wissens und darüber hinaus die älteste Universität des Landes. Die ruhige und angenehme Atmosphäre des Bauwerkes bildet eine Oase der Entspannung in Hanoi und lädt zu einer Besichtigung ein. Fünf ummauerte Innenhöfe umfasst der gesamte Komplex des Literaturtempels. Die einzelnen Höfe werden durch Tore oder durch Pavillons miteinander verbunden und sind der Konfuzianischen Lehre nachempfunden oder vielmehr den einzelnen Etappen der Lehre des bekannten Philosophen. Der fünfte Innenhof umrahmt das Gebäude der nationalen Universität.
Mittags hatten wir uns eine Verschnaufpause verdient, denn am Nachmittag warteten bereits unsere persönlichen „Backstreet Tours“ Moped-Chauffeure in der Hotel-Lobby auf uns, mit der Möglichkeit eine andere Seite der Metropole zu entdecken abseits der üblichen Touristenpfade. Auf „Vintage Russian Minsk“ Motorrädern schlängelten wir uns durch das Gewimmel auf den Strassen Hanois.
Erster Stop war die Train Street, ein einzigartiger und faszinierenden Ort im Herzen von Vietnams Hauptstadt. Die Hanoi Train Street ist bekannt für die mehrmals täglich stattfindenden Zugfahrten, bei denen die Züge nur wenige Zentimeter an den Häusern und Menschen vorbeifahren. Ein echtes Erlebnis, das den Puls in die Höhe treibt!
Das „echte“ Leben in der Stadt wurde uns bei einem Besuch einer Familie zu Hause gezeigt. Mehrere Generationen leben hier relativ einfach auf kleinem Raum. Vieles sah improvisiert aus, wie z.B. die unzähligen freiliegenden Kabel, aber es funktioniert.
Nach einigen weiteren Stops um uns die Menschen in Hanoi näher zu bringen, setzten uns unsere Fahrer am Café Dinh ab. Natürlich mussten wir den „Egg Coffee“ probieren. „Egg Coffee“ ist eine besondere Kaffeespezialität, die ursprünglich hier aus der Hauptstadt Vietnams, stammt. Sie besteht aus einer Schicht geschlagenem Ei, Kondensmilch, Zucker und einem starken vietnamesischen Kaffee. Schmeckt eher wie ein flüssiger Nachtisch.
Das Thang Long Theater präsentiert die einzigartige Kunst des Wasserpuppenspiels, eine jahrtausendealte traditionelle Praxis. Hier tanzen kunstvoll gestaltete Puppen über Wasser und erzählen Geschichten, die in Folklore und Geschichte verwurzelt sind. Leider war es etwas langweilig, da ich der Handlung nicht folgen konnte und ganz froh war als die Vorstellung endlich zu ende war.
Den Tag liessen wir mit einem Restaurantbesuch und anschliessendem Bummel durch die beleuchteten Strassen Hanois ausklingen. Unglaublich wieviel wir gleich am ersten Tag in Vietnam erlebt haben. Morgen verlassen wir schon wieder Hanoi und besteigen eine Dschunke in der Halong Bucht.
Halong Bucht – Gegen Mittag gingen wir in Halong-Stadt an Bord einer Dschunke, die für zwei Tage und zwei Nächte unser Zuhause im UNESCO Weltnaturerbe Halong Bucht („untertauchender Drache“) war.
Wir glitten vorbei an unzähligen Inseln und Felsen, die hier zum Teil mehrere Hundert Meter hoch aus dem Wasser ragen und genoßen die atemberaubend schöne Kulisse. Kajak-Touren, Schwimmausflüge, der Besuch einer Tropfsteinhöhle, ein kurzer Kochkurs und ein Barbecue an einem kleinen einsamen Strand bildeten die Tagesaktivitäten. Am letzten Tag stand noch der Besuch eines „schwimmenden Fischerdorfes“ auf dem Programm.
Abends wurde in einer der Buchten geankert und man konnte den Tag gemütlich mit einem Drink auf dem Sonnendeck ausklingen lassen. Unsere wirklich kleine und enge Kabine war mit eigener Dusche, WC und sogar Klimaanlage ausgestattet. Trotzdem waren die Nächte furchtbar warm und wir haben echt schlecht geschlafen. Die Klimaanlage mit ihrem kalten Luftstrom direkt auf das Bett, konnten wir nur sporadisch laufen lassen, wenn ich nicht krank werden wollte.
Hoi An – Abflug nach Da Nang und Weiterfahrt zur charmanten Hafenstadt Hoi An, wo vor 900 Jahren die ersten Papierlampions gefaltet wurden, die das Weltkulturerbe am Thu-Bon-Fluss heute in ein Meer aus Zigtausend Laternen verwandeln. Bei Dunkelheit entfaltet das Städtchen seine wahre Schönheit. Als Haupthafen an der alten Seidenstraße zog Hoi An Händlerinnen und Händler aus Japan und China an, die ihre Kulturen mitbrachten, bis sich im 17. Jahrhundert auch englische, holländische und französische Companies hier niederließen. Ein Schmelztiegel des Schönen und Wertvollen, die Japanische Brücke, der Quan-Cong-Tempel, die Phuoc-Kien-Pagode, das berühmte Handelshaus Diep Dong Nguyen.
Bei strömenden Regen kamen wir am Abend an und auch am nächsten Morgen sah das Wetter nicht besser aus. Trotzdem unternahmen wir eine Jeep-Tour und lernten einige Handwerksbetriebe und ihre Techniken auf der Halbinsel Cam Kim kennen. Darunter waren eine Reispapier- und Reisnudelmanufaktur, eine Holzbootwerkstatt, ein Holzschnitzer und ein Fischsoßenhersteller.
Bei einer Kaffeerösterei bekamen wir viele interessante Informationen über die Verarbeitung der Kaffeebohne und das „richtige Aufgiessen“. Wir konnten verschiedene Sorten probieren und vergleichen. Das Vietnam der zweitgrößte Kaffeeproduzent der Welt ist war mir neu.
Der Regen hörte langsam auf und die Sonne kam heraus. Es gab noch eine Fahrt in einem für die Gegend typischen runden Bambusboot auf dem Fluß mit seinen Mangroven und einen kurzen Stopp am Meeresstrand, bevor wir am Nachmittag durch die Altstadt schlenderten.
Unglaublich viele Touristen drängten sich auf den Straßen und alles war natürlich auf sie und ihr Geld ausgelegt. Restaurants, Cafés, Schneidereien, Geschäfte für Souvenirs, T-Shirts und Lampions wechselten sich regelmäßig ab. War schon sehr „touristisch“. Viel Spaß machte uns aber übrigens das Selberbauen eines kleinen Lampions. Alle waren eifrig und konzentriert am basteln und zeigten stolz ihre fertige Laterne.
Ho Chi Minh Stadt (ehem. Saigon) – Die größte Stadt Vietnams präsentiert sich Reisenden als lebensfrohe, weltoffene Wirtschaftsmetropole. Wir nutzten den Abend, um über die „Bui Vien Street“ zu flanieren, Die Straße und ihre umliegenden Gassen haben sich zum lebendigen Herzen des Backpacker-Viertels von Ho-Chi-Minh-Stadt entwickelt, voller Restaurants, Bars, Hotels und Hostels. Am Wochenende verwandelt sich die Gegend in eine Fußgängerzone, in der motorisierter Verkehr abends verboten ist und es entsteht eine lebendige Atmosphäre ohne den üblichen Verkehr.
Übernachtet haben wir im Edenstar Hotel, bevor es am nächsten Morgen in Richtung Mekong-Delta ging. Im 14. Stockwerk hatten Petra und ich ein riesiges Zimmer mit einer Mega-Aussicht auf die Stadt.
Mekong-Delta – Früh morgens begaben wir uns auf eine etwa zweieinhalbstündige Fahrt nach Cai Be ins Mekong-Delta. Die eine Fläche von rund 39.000 Quadratkilometern umfassende Region bezeichnet das Flussdelta des Mekong im Süden Vietnams. Hier mündet der gewaltige, in Tibet entsprungene Mekong, nachdem er auf einer Strecke von über 4.000 Kilometern sechs Länder durchquert hat, ins Südchinesische Meer. Der Mekong ist vor dem Mündungsgebiet mehrere Kilometer breit und teilt sich im Delta in zahlreiche Flussarme auf. Dank neun größerer Hauptarme trägt er hier den Beinamen „Neun-Drachen-Fluss“. Die Flussarme sind durch unzählige von Menschen angelegte Kanäle verbunden und ermöglichen durch den fruchtbaren Schwemmlandboden eine intensive landwirtschaftliche Nutzung. Ein riesiges Labyrinth aus Flüssen, Sümpfen und Inseln mit schwimmenden Märkten, Khmer-Pagoden und von Reisfeldern umgebenen Dörfern. Die Boote sind das mit Abstand wichtigste Transportmittel.
Unterwegs per Boot und Fahrrad, besuchten wir hier übliche Manufakturen, wie z. B. für Reispapier oder für Hängematten und Körbe aus der Wasserhyazinthe und erfuhren mehr über die Produktion. Während einer Teepause bei einer einheimischen Familie wurden wir auf einen „Snack“ eingeladen und konnten regionale Produkte probieren. Das „Mekong Riverside Resort“ mit seinen Stelzen-Bungalows, unsere Unterkunft für die Nacht, liegt friedlich mitten in einem tropischen Garten direkt am Fluss. Hier konnte man ab dem Nachmittag den Tag entspannt am Pool beenden und die Ruhe geniessen.
Nach einer Kanalfahrt in den hier typischen schmalen länglichen Booten ging es am nächsten Tag wieder zurück nach Ho Chi Minh Stadt.
Ho Chi Minh Stadt – Zurück in der Metropole besichtigten wir die „Jade-Pagode“, eine dem taoistischen Jadekaiser Chua Ngoc Hoang gewidmete und von der chinesischen Gemeinde errichtete Pagode. Aber auch buddhistische Elemente sind zu sehen. Danach kurze Erholung im Edenstar Hotel bevor wir das Saigoner Nachtleben per Vespa-Tour erleben konnten. Unsere Fahrer brachten uns zu Orten, die größtenteils von Einheimischen besucht werden, und zeigten uns ein ganz anderes Saigon, abseits der Touristenpfade. Ein wirklich toller und gelungener Abschluss für die erlebnisreiche Reise durch Vietnam.
Am nächsten Morgen gab es noch eine Tour zum historischen Wiedervereinigungspalast. Einst als Präsidentenpalast bekannt, wurde hier das Ende des Vietnamkrieges besiegelt. Typisch französische Kolonialarchitektur begegnete uns im Hauptpostamt, das von Gustave Eiffel entworfen wurde. Bevor es zum Flug nach Kambodscha ging hatten wir eine Gelegenheit für letzte Einkäufe auf dem „Ben-Thanh-Markt“, dem ältesten noch bestehenden Markt der Stadt.
… leider war unsere Reise durch Vietnam schon vorbei. Es war eine sehr schöne Zeit, auch wenn die Anzahl der Tage zu kurz bemessen war. Für die Metropolen Hanoi und Saigon hätte man den einen oder anderen Tag mehr gebraucht. Ausserdem hätte ich noch gerne den Phong Nha-Ke Bang Nationalpark und das Sapa Hochland gesehen. Wir haben uns zu jeder Zeit sicher und gut aufgehoben gefühlt.
Mal schauen was uns alles in Kambodscha erwartet…