„Wahnsinn dieser Ausblick“ waren unsere ersten Worte als wir auf unserem Balkon saßen und auf Ravello schauten. Nach langer Anreise, Flug Hamburg – München – Neapel und Busfahrt, sind wir mit unserer Wandergruppe in unserem kleinen gemütlichen Hotel in Scala angekommen. Vor uns lag eine Woche wandern mit vielen, vielen Stufen und steigenden Temperaturen an einer der schönsten Küsten Europas, der „Costiera Amalfi“.
Gleich am ersten Abend vor dem Essen gab es ein Begrüßungsgetränk aus dem berühmten Zitronenlikör Limoncello am Hotelpool. Die Amalfizitrone wird hier überall auf durch Trockenmauern gebildeten Terrassen angebaut und prägt stark das Landschaftsbild.
Die erste Wanderung ging von Scala nach Ravello. Keine Frage, die Orte der Amalfiküste stellen für mich den Inbegriff des italienischen Lebensgefühls dar. Die Ausläufer der Monti Lattari enden an der Küste abrupt im Meer und bilden Täler, Landzungen und Strände. Mit ihren bunten Häusern, den schmalen Gassen voller Leben, und den mit Zitrusfrüchten, Weinreben und Olivenbäumen bepflanzte Terrassen, wird die beeindruckende Kulisse der kleinen Ortschaften wie Ravello geformt.
Die relativ kurze Wanderung zur Eingewöhnung dauerte ca. 2,5 Stunden. Anschliessend hatten wir so noch Zeit für die Besichtigung der Villa Rufolo, die malerisch auf einem Felsvorsprung in 350 Metern Höhe thront. Von dem Garten der Villa Rufolo ließ sich Richard Wagner für das Bühnenbild seiner Oper Parsifal inspirieren.
Die „Truppe“ war sehr angenehm, keine „Ausreißer“ nach oben oder unten und alles war vertreten, Paare, Freunde, alleinreisende Damen wie Herren. Der Guide war klasse, mit viel Engangement, Erfahrung und Hintergrundwissen.
Am nächsten Tag stand Amalfi auf dem Programm. An Zitronenhainen vorbei ging es nach Pontone, der Meerblick ist hier ein ständiger Begleiter. Erster Stop die Ruine der Basilica Sant’Eustachio. Ein versteckter Wanderpfad führte uns zur einst mächtigen Burgruine Scalelle. Nach der Umrundung des Bergücken schlängelt sich der Pfad nach Atrani hinab. Am Strand nahmen einige von uns ein Bad im Meer, mir reichte ein kurzes Fußbad und ein Eis.
Der letzte kurze Abschnitt ging durch ein Labyrinth aus Tunneln, schmalen Gassen und einem Küstenweg und schon standen wir mitten in Amalfi auf dem Domplatz. Unglaublich wie voll es hier war. Kurzer Stadtbummel und ab ins Hotel mit dem öffentlichen Bus.
Am Mittwoch kein Wandern, sondern Ausflug nach Pompeji. Mit einem für uns organisierten Bus fuhren wir in die Region Neapel zur weitläufige archäologische Stätte, mit den freigelegten Ruinen. Die einst wohlhabende und kultivierte römische Stadt wurde nach einem verheerenden Vulkanausbruch des Vesuvs im Jahr 79 n. Chr. unter einer meterhohen Asche- und Bimsschicht begraben.
Interessante Führung und Besichtigung. Wir waren relativ früh vor Ort und konnten dem späteren Gedränge und der Hitze aus dem Weg gehen und es war schon bequem direkt vor dem Eingang aus und einzusteigen. Auf der Rückfahrt konnte man von einer Anhöhe aus auf die Stadtregion Neapel zurück schauen und wenn man die Nähe des Vesuvs sieht macht man sich schon ein paar Gedanken. Ob das gut geht?
„Sentiero Degli Dei“, der „Pfad der Götter“. Welch ein vielversprechender Name. Den Startpunkt in Praiano erreichten wir mit dem Bus. Noch schnell einen Cappuccino und los ging’s. Aber nicht sehr weit, nach ca. 30 Minuten lösten sich Petras Sohlen vom Rest ihrer Wanderstiefel und es gab keine Chance für sie weiter zu gehen. Also zurück nach Praiano, in ein Geschäft für Wanderausrüstung, neue Stiefel gekauft und wieder auf den „Pfad“, den anderen hinterher. Der Name hat nicht zu viel versprochen, unglaubliche Ausblicke auf die Küste bei bestem Wetter. Wir kamen schnell voran und überholten einige Leute, die für diesen holprigen und teilweise schwer zu gehenden Weg, die völlig verkehrten Schuhe, wie Sandalen oder Flip Flops an hatten.
Nach 3/4 der Strecke holten wir unsere „Wikinger“ ein und gingen den restlichen Weg nach Positano wieder gemeinsam. Zurück nach Amalfi sollte es mit dem Boot gehen. Wir hatten Zeit für ein Getränk und einen Snack am Hafen und bestiegen am späten Nachmittag das Schiff und verließen entsprechend „stilvoll“ Positano über’s Meer.
Das ich einmal nach Capri komme, hätte ich nicht gedacht. Heute war es soweit, wir betraten in Amalfi das Boot und schipperten mit einem kurzen Stop in Positano, zwecks Aufnahme weiterer Passagiere, die Küste entlang. Auf Capri schauten wir uns die Villa Jovis an. Sie war eine der zwölf Villen des römischen Kaisers Tiberius auf Capri, wohin er sich in den letzten Jahren seiner Herrschaft zurückgezogen hatte. Sie befindet sich auf der östlichen Spitze Capris direkt an der Steilküste auf dem heute Monte Tibero genannten Berg. Die Wanderung danach glich eher einer Endeckungstour, unser Guide versuchte eine schöne Wanderung für nachfolgende Wikingergruppen zu finden. Man sah zwar viel Natur von Capri, aber es war zu lang, zu anstrengend und teilweise zu „querfeldein“.
Es wäre schöner und sinnvoller für Petra und mich gewesen nach den Tiberius Ruinen einfach durch die Gassen der Stadt zu bummeln, hier und da etwas trinken und essen und das rege Treiben auf den Plätzen und in den Straßen auf uns wirken zu lassen.
Letzter Tag, letzte Wanderung, Valle delle Ferriere. Es war inzwischen jeden Tag wärmer geworden und heute sollte es richtig heiss werden. Zudem stand eine Strecke mit vielen Stufen auf dem Programm. Die Hälfte der Gruppe entschied sich den Tag weniger schweißtreibend zu verbringen und sagte ab. Im Nachhinein hätte ich wie Petra nicht mitgehen sollen. Die Wanderung war zwar sehr schön und für mich auch nicht anstrengend, aber ich hätte den Tag lieber mit meiner Frau bei einem Aperol Spritz und einer Pizza irgendwo in Ravello verbracht und auch verbringen sollen.
Durch den Tip unseres Guides konnten wir am Abend noch die Chance nutzen 2 Flaschen Limoncello, frisch abgefüllt direkt beim Hersteller in Scala zu erwerben.
Die Woche ging sehr schnell vorbei und es hat uns sehr gut gefallen. Die meisten Wanderungen waren zwar recht kurz, aber es gab immer wunderbare Ausblicke und viel zu sehen. Hotelzimmer waren schlicht aber gemütlich und ausreichend. Essen fand ich gut, typisch italienisch, einfach und genug. Die Hotelführung und ihre Angestellten waren sehr freundlich und zuvorkommend. Achja, einen Corona-Fall hatten wir ja auch noch, aber nach der ersten Aufregung und Selbsttests hatten wir keine Einschränkungen.