Nord-Zypern

Zypern, schon oft von gehört, aber noch nie da gewesen. Jetzt sollte es endlich soweit sein, wir buchten eine Wanderreise vom 14.-21.10. 2018 mit Wikinger auf Zypern, genauer gesagt auf dem türkischen Teil Nordzypern. Die Anreise glich irgendwie einer Weltreise, morgens Flug von Hamburg nach München, längerer Aufenthalt am Flughafen, Flug von München nach Lanarca auf Zypern, Busfahrt mit Kontrolle an der Grenze in den Norden und endlich Ankunft am späten Nachmittag im Hotel „The Hideaway“, oberhalb von Kyrenia gelegen. 

Bei der ersten Wanderung ging es auf schattigen Waldpfaden auf und ab durch die Landschaft des Pentadaktylos-Gebirges zu den Ruinen des Plataniotissa-Klosters. Spärlich waren die Mauerreste, ganz im Gegensatz zu dem armenischen Kloster Sourp Magar, das wir später erreichten. Bis 1974 wurde es von armenischen Christen genutzt, heute ist es mit seinen Obstbäumen eine bunte Oase im dichten Grün des Waldes. Wir waren ca. 4 Stunden unterwegs ohne große An- und Abstiege.

Der Aufstieg zur  Burg Buffavento die auf einem kahlen Kalkkegel des langgezogenen Besparmak-Gebirges liegt, ist der Auftakt an Tag zwei. „Die dem Wind Trotzende“, wie sie seit Menschengedenken genannt wird. Die Route führt den Südhang des Berges Pentadachtilos hinauf, um den zweithöchsten Gipfel des Berges zu erreichen. Von dem schmalen Absatz, auf dem sich die Gebäude der Unterburg aufreihen, führen rund 140 Stufen in Serpentinen am senkrechten Fels auf das Gipfelplateau. Hier, in 954 Metern Höhe, öffnen sich atemberaubende Ausblicke in alle Himmelsrichtungen. Die ganze Insel liegt dem Betrachter zu Füßen. Die Burg wurde Ende des 11. Jahrhunderts von den Byzantinern an dieser unzugänglichen Stelle errichtet und war eine der drei Aussichtsburgen des Berges Pentadachtilos.

Nach einem kurzen Aufenthalt in der Burg führte uns unsere Wanderung nach Bellapais. Das Kloster Bellapais ist die Ruine eines von Kanoniker im 13. Jhd. gebauten Kloster an der Nordseite des kleinen Dorfes. Es beherbergt mittlerweile ein Museum, ein Restaurant und ein Café. Das Refektorium der Abtei dient heute als Veranstaltungsort für Konzerte und Vorträge. Im Frühsommer findet hier auch ein lokales Musikfestival statt.

Auf der Korucam-Halbinsel, im Örtchen Tepebasi  begann die dritte Wanderung. Über offene Feldfluren gelangten wir erst zu einem Stausee und später zum Dorf Korucam, in dem Griechen, Türken und eine kleine Minderheit der Maroniten friedlich miteinander leben. Nach einem kurzen Anstieg öffnete sich ein grandioser Blick auf die Westküste. Über einen schmalen, teils gerölligen Pfad erreichten wir eine kleine Bucht, in der wir die müden Füße nach 5 Stunden wandern im Wasser erfrischen konnten. 

Am vierten Tag war Wanderpause, Zeit für einen Rundgang durch Kyrenia. Das Städtchen schmiegt sich um den kleinen Hafen, das Herzstück des Ortes. Hier liegen zahlreiche Jachten, Segel- und Fischerboote vor Anker und um den Hafen herum reihen sich Cafès, Restaurants und Fischtavernen aneinander. Die antike Hafenanlage selbst ist ein echtes Highlight, zu dem auch der alte Leuchtturm aus gelbem Sandstein gehört. Auf der gegenüberliegenden Hafenseite, am Hafeneingang führen Stufen zu einer weiteren Attraktion des Ortes, zur imposanten Festung, die die malerische Altstadt prägt und dominiert. Im 7. Jahrhundert wurde diese beeindruckende Wehranlage erbaut und im 10. und 12. Jahrhundert zunächst von den Byzantinern und später den Kreuzfahrern erweitert. Ihre heutige Gestalt erhielt sie schließlich durch die Osmanen, die die Festungsanlage weiter ausbauten. Bis etwa 1960 nutzten die Briten die Anlage als Gefängnis, bis sie schließlich zum Touristenmagnet wurde. Die Geschichte der Festung ist eng mit der Zyperns verbunden. Diese spiegelt sich auf eindrucksvolle Weise u.a. im Schiffswrack-Museum Kyrenia wider, das sich in der Festung befindet.

Die Rundwanderung Tatlisu stand am fünften Tag auf unserer Liste. An der Moschee in Mallidag begann unsere Wanderung auf dem Kammweg mit wunderbaren Ausblicken über die waldreiche Gebirgslandschaft. Es gab noch einen Abstecher zum verlassenen Kloster Antiphonitis, von dem fast nur noch die Kirche aus dem 12. Jh. steht, mit der Besonderheit, dass die Kuppel auf acht Stützen ruht. Die Malereien befinden sich in beklagenswertem Zustand, je tiefer sie angebracht sind, in desto schlechterem Zustand sind sie, wobei nicht alles, wie die Graffiti beweisen, auf Raub und Plünderungen durch die Türken zurückzuführen ist. Relativ gut erhalten, wohl weil sehr schlecht zugänglich, ist der Pantokrator im Inneren der Kuppel. Auf dem Rückweg machten wir einen einstündigen Stopp am Alagadi-Strand, um uns zu erfrischen und einmal ins Meer zu gehen. Leider war der Strand, wie schon der auf der Korucam-Halbinsel, keine Schönheit.

Am letzten Tag wartete noch ein anstrengender Aufstieg zur Burgruine St. Hilarion. Der Weg führte permanent relativ steil nach oben und wie es so schön in Wanderführern heisst „wir gewinnen rasch an Höhe“. Die weitläufige Kreuzritterburg wurde im 11. Jh. zum Schutz vor Piraten errichtet. Die Erkundung der sich über etwa 150 Höhenmeter erstreckenden Festung mit Vor-, Unter- und Oberburg beschert immer wieder neue Eindrücke und tolle Ausblicke. Leider war das Wetter schlecht und wir mußten aufgrund eines Gewitters die Besichtigung abbrechen.

… und dann war die Woche auch schon wieder vorbei. Insgesamt empfand ich die Reise nur als ok. Die Berglandschaft in Nordzypern ist zwar schön, was man von den Stränden nicht sagen kann, aber die meisten Wanderungen waren nicht so empfehlenswert. Der Guide war mit den Reiseführern der anderen Reisen nicht vergleichbar und ich mochte ihn überhaupt nicht. Unsere Mitreisenden waren mir auch bis auf ein, zwei Ausnahmen nicht so sympathisch und man kam nicht so recht ins Gespräch. Hotel war gut und hübsch, nur das Essen war recht bescheiden. Im Vergleich mit z.B. Mallorca kann Nordzypern meiner Meinung nach nicht mithalten und ich glaube wir werden Nordzypern nicht mehr als Ziel wählen.

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